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Chaos mit Farbtupfer

Wider den Aufräum-Wahn!

Es ist Oktober und der Herbst zeigt sich in voller Pracht. Wolken, Wind, Regen und dazwischen doch immer wieder ein paar noch richtig warme Sonnenstrahlen. Die Bäume werfen ihr buntes Kleid ab und auch im Garten ist alles auf Rückzug eingestellt. 
Für die meisten Hobby-Gärtner ein eindeutiges Zeichen, dass der Garten möglichst schnell winterfest gemacht werden muss. Es muss aufgeräumt werden! Und dass nicht nur im Schuppen, sondern auch in Stauden- und Gemüsebeeten. „Weg mit dem welken Zeug, wie sieht das denn aus!“

Doch was für den Gärtner einem ästhetischen Frevel gleicht, ist für viele Tiere ein Zuhause. In all dem scheinbar toten, unansehnlichen Gestrüpp ist noch so viel Leben. Dort werden nach wie vor Spinnennetze gewoben und Nahrung gefangen. Welkes Pflanzenmaterial wird abtransportiert oder verspeist. Larven und Kokons wurden an Halmen befestigt, um dort zu überwintern. Zahlreiche Arten benötigen diesen Raum zum Überwintern. Letztlich zum Überleben.

Wenn wir nun aber alles abschneiden, aufräumen, zusammenrechen und zur Grüngut-Abgabestelle bringen, bleibt von dem prallen Leben nicht mehr viel übrig. Wir berauben die Tierwelt um Lebensraum und uns im kommenden Frühjahr um Vielfalt. Denn wenn mit den welken Pflanzen alle Kokons, Larven und Eier abgeräumt wurden, gibt es im kommenden Frühjahr unter anderem auch weniger schöne Schmetterlinge in unserem Garten. Vom Nutzen der vielen Arten, die so beseitigt werden, mal ganz abgesehen. 

Daher möchten wir an alle appellieren, dem Reflex zu widerstehen und die Gärten wild sein zu lassen. Man muss sich auch keine Sorgen um die Pflanzen machen, die können sich wunderbar selbst zurückbilden. Und selbst den kritischen Blicken der Nachbarn, darf man ruhig mit einem freundlichen Lächeln begegnen. Die Natur hat ihre eigene Ordnung. Und wenn wir das wirklich verstanden haben, gewinnen wir vielleicht sogar Zeit hinzu, um sie zu genießen.

In diesem Sinne: auf einen wilden Herbst und ein buntes Frühjahr 2022!

Wilde Vielfalt
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